«Ich bin erfreut, wie weit wir gekommen sind»

16.07.2018

Vor zehn Jahren hat Luc Haldimann swiss made software gegründet. Im Interview spricht er über seine Motivation, die Entwicklung des Labels und die Wünsche und Pläne, die er noch hat.

Was war Ihr Antrieb, als Sie vor zehn Jahren das Label swiss made software ins Leben gerufen haben?

Ich war damals ganz neu mit meiner Firma unblu am Markt und habe nach einer Möglichkeit gesucht, die Schweizer Herkunft unserer Lösung auszuweisen – leider vergebens. Also habe ich mit Hilfe einiger Bekannten aus der Softwarebranche selbst die Initiative ergriffen und swiss made software initiiert. Das Label diente somit vorerst zum reinen Selbstzweck. Allerdings wollte ich – wenn ich schon ein Label ins Leben rufe – dies auch richtig machen und es auch anderen zur Verfügung stellen.

Warum ist swiss made software als Label konzipiert, nicht als Verband?

Unser Fokus liegt auf der Darstellung unserer Herkunft, auch wenn wir mit unseren Publikationen und Events viele Aktivitäten verfolgen, die über das Label hinausgehen und eher zu einem Verband passen würden. Kommt hinzu, dass es bereits genügend Verbände in der Schweizer ICT-Branche gibt und wir als Label auch unsere Unabhängigkeit wahren können. Wir können mit unserem Label alle Anbieter erreichen, unabhängig davon, ob sie in Verbänden sind.

Haben Sie sich 2008 schon mit der Frage beschäftigt, wie swiss made software 2018 aussehen könnte, und entspricht die heutige Realität diesem Bild?

Ich bin sehr erfreut darüber, wie weit wir gekommen sind – vor allem in den letzten paar Jahren. In der Anfangszeit musste ich die Erfahrung machen, dass der Weg weit und steinig ist. Es brauchte seine Zeit, bis die Schweiz als Softwarestandort wahrgenommen wurde. Heute aber sind wir dort, wo ich hinwollte. Wir zählen inzwischen über 500 Träger, allein im letzten Jahr sind 100 neue dazugekommen. Mit diesen Trägern versammeln wir über 10’000 MitarbeiterInnen der ICT-Kernbranche und haben über 600 Produkte und Dienstleistungen deklariert. Ich bin überzeugt, dass das Wachstum weitergeht, denn wir konnten auch 2018 schon wieder zahlreiche neue Träger gewinnen.

Wie erklären Sie sich das beschleunigte Wachstum in der jüngeren Vergangenheit?

In den ersten Jahren habe vor allem ich persönlich für das Label geweibelt. Über die Jahre haben wir aber unsere Strukturen professionalisiert, sind aktiver geworden mit gedruckten und digitalen Publikationen, Events und mehr. Entsprechend hat die Sichtbarkeit des Labels auch zugenommen. Ausserdem hat die Idee eines Schweizer Softwarelabels im Laufe der Zeit an Bedeutung gewonnen, nicht zu vergessen, dass die Schweizer ICT-Branche deutlich gewachsen ist. Heute beschäftigt die ICT-Kernbranche 200’000 Leute, vor zehn Jahren waren es noch 100’000. Allerdings ist das Ganze kein Selbstläufer, hinter swiss made software steckt auch heute noch sehr viel Arbeit. Erfreut bin ich darüber, dass unsere Träger sehr treu sind – wir verzeichnen keine nennenswerten Abgänge.

Gibt es auch Schweizer Softwarefirmen, die Sie gerne als Träger an Bord hätten, aber noch nicht gewinnen konnten?

Natürlich gibt es solche. Gerade grössere Anbieter wie Swisscom, die Schweizerische Post, die Credit Suisse oder UBS, die im B2C-Bereich sehr aktiv sind, würden wir gerne für uns gewinnen. Und ich bin überzeugt, dass wir das über kurz oder lang auch schaffen – wir werden die Gespräche diesbezüglich weiter intensivieren.

Was macht denn swiss made software für eine Trägerfirma besonders interessant?

Die Bedeutung der lokalen Herkunft hat in den letzten Jahren zugenommen, national wie international. Der Herkunftsgedanke greift heute wieder mehr, nachdem die Globalisierungswelle doch auch für Ernüchterung gesorgt hat. Die Auszeichnung Swiss Made ist ein lokaler Faktor, der sich gut exportieren lässt. Nicht zu vergessen ist zudem auch der Community-Gedanke. Man ist als Träger Teil der swiss made software-Community. Wir versuchen nicht nur, die Unternehmen sichtbar zu machen, sondern auch untereinander zu vernetzen.

Um beim Thema der Notwendigkeit zu bleiben: Denken Sie, das Swiss Made-Label ist für die Schweizer Softwarebranche heute wichtiger, als es das vor zehn Jahren war?

Es war damals notwendig, und die Notwendigkeit ist in den letzten zehn Jahren nicht geringer geworden. Ich glaube aber, der Wert von Swiss Made Software hat zugenommen, die Bedeutung der Schweiz als Softwarestandort, als Entwicklungsstandort und nicht zuletzt als Standort für Datenhaltung ist gestiegen.

Wenn Sie auf die letzten zehn Jahre swiss made software zurückblicken – worauf sind Sie besonders stolz?

Sicherlich auf die Zahl der Träger, die wir heute bei uns verei- nen. Stolz sind wir aber auch darauf, was wir mit unseren Events und Publikationen erreichen konnten.

Und gibt es etwas, das Sie heute anders machen würden?

Mit den Erfahrungen, die ich gemacht habe, würde ich vielleicht schneller und fokussierter eine gewisse Richtung einschlagen. In den ersten fünf Jahren swiss made software waren wir noch etwas explorativ unterwegs. Wenn ich aber auf die zweite Hälfte blicke, gibt es nicht viel, was ich anders machen würde.

Können Sie mir noch etwas zu den Schwerpunkten erzählen, die swiss made software in absehbarer Zukunft setzen möchte?

In diesem Jahr steht sicher der Geburtstag im Mittelpunkt – mit diesem Buch, aber auch mit einigen Events, die noch geplant sind. Dann wollen wir basierend auf dem Buch vermehrt auch digitale Inhalte publizieren. Dabei streben wir eine gewisse Regelmässigkeit an. Ein weiteres Thema, das uns beschäftigt, ist Hosting in der Schweiz. Wir sind aktuell daran, ein «Hosted in Switzerland»-Logo zu erarbeiten, um solchen Angeboten ein Gesicht zu geben. Wie bereits angesprochen sind wir überzeugt, dass die Bedeutung der Datenhaltung in der Schweiz noch zunehmen wird – nicht zuletzt wegen der jüngsten Datenskandale rund um Facebook und Co. Und auch sonst möchten wir uns etwas breiter aufstellen, uns öffnen, zum Beispiel auch Services rund um den Softwarestandort vertreten. Und nicht zuletzt möchte ich unser Angebot für junge Menschen, die auf der Suche nach einem Praktikum oder einer Diplomarbeit sind, erwähnen. Wir bieten hier eine interaktive Webmap, wo Träger ihr Interesse angeben können, Projekte zu unterstützen. Aktuell haben wir über 50 Unternehmen, die das tun – damit sind wir, meines Wissens, die grösste Ressource dieser Art in der Schweiz.

Wenn Sie zehn Jahre vorausblicken: Wie wird swiss made software 2028 aussehen?

Ich hoffe, dass wir die Zahl der Träger bis in zehn Jahren mindestens verdoppeln können. Wenn jemand in der Schweiz Software herstellt, soll es selbstverständlich sein, dass er diese Software auch mit unserem Label auszeichnet. Und ich hoffe, dass wir unseren Beitrag leisten, die Attraktivität der Softwareentwicklung – gerade auch für den IT-Nachwuchs – in der Schweiz zu steigern.

Zum Schluss: Wenn Sie bezüglich swiss made software einen Wunsch äussern könnten, wie würde dieser Wunsch lauten?

Ich wünsche mir, dass die Bekanntheit von Software aus der Schweiz steigt, die Schweiz in Zukunft zum Inbegriff für gute Software wird, dass Swiss Made Software – nicht bezogen auf unser Label, sondern auf das Produkt Software – sich in der DNA der Schweiz verankert. Software soll eine Kernkompetenz der Schweiz werden, das ist mein persönlicher Wunsch

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