«Digitale Aneignung» oder «Die Zukunft der Fachdisziplinen»

04.09.2019

von Reinhard Riedl, Adaptierung eines Texts von www.societybyte.swiss

Nur wenige Arbeitsplätze werden bleiben, wie sie sind. Viele werden sich durch die Digitalisierung verändern oder ganz verschwinden. Andere werden neu entstehen. Eine entscheidende Rolle wird dabei die digitale Weiterentwicklung der Fachdisziplinen spielen.

Wird die digitale Transformation mehr Arbeitsplätze schaffen als sie zerstören wird? Oder mehr zerstören als sie schaffen wird? Die Antwort hängt vom Verhalten der Fachdisziplinen ab. Jene Fachberufe, die die digitalen Werkzeuge nutzen, um fachlich bessere Arbeit zu leisten, werden vermutlich ihren Arbeitsplätze-Anteil in der digitalisierten Wirtschaft erhöhen – und gleichzeitig ihre Arbeitskultur verändern. Wobei die Veränderungen tendenziell die Zusammenarbeit stärken werden, aber auch Elemente höherer Autonomie der oder des Einzelnen beinhalten werden. Jene Fachberufe dagegen, die sich gegen die Veränderung wehren, werden ihre Arbeitskultur bewahren und in der Folge Arbeitsplätze verlieren. Das «mit den digitalen Maschinen besser Werden» schafft zwar keine hundertprozentigen Sicherheiten, aber es erhöht die Chancen auf langfristigen Weiterbestand von Arbeitsplätzen in einem Berufszweig.

Wer von dystopischen Zukunftsvorstellungen geplagt wird, sollte sich bewusst machen, dass «sich die Digitalisierung aneignen und damit die individuellen Fähigkeiten verstärken» in einer mindestens hundertausendjährigen Geschichte menschlichen Überlebens und Fortschritts steht. Vor hunderttausend Jahren begann der Homo Sapiens langsam, aber in wachsendem Ausmass, seine individuellen Fähigkeiten und Denkvorgänge zu externalisieren. Mit der Individualisierung der Steinkeile, den Wandmalereien und dem Schmuck fing es an: die Liebe zu den Werkzeugen, der Kunst und der Suche nach Schönheit, beziehungsweise auch die Suche nach der Wahrheit.

Aus ökologischer Sicht kann man es auch so formulieren: vor hunderttausend Jahren begann es schief zu gehen. Denn aus dem Homo Sapiens entwickelte sich eine die Welt beherrschende Gattung, die sich absichtlich und unabsichtlich immer mehr ihre Herausforderungen selber schafft. Siehe Treibhauseffekt. Das Aneignen neuer emergenter Werkzeuge war und ist dabei oft der Schlüssel zum Fortschritt und zu neuen Herausforderungen. Die Schmiedekunst verbesserte beispielsweise den Stahl für Waffen und die Bader eigneten sich diese Werkzeuginnovation an um Leichen aufzuschneiden und einen wichtigen Schritt Richtung moderner Medizin zu machen. Denn so konnte man endlich sehen, wie der Mensch von innen aussieht. So führte die Kampfes- und Kriegslust über Leichenschändung zur modernen Chirurgie. Die Haltung war dabei diejenigen von Dieben und von Störern der Friedhofsruhe. Letzteres war aus damaliger Sicht unethisch, findet auf hoher Abstraktionsebene gedacht aber bereits alttestamentarische Vorbilder und hat für uns heute schon fast eine symbolische Bedeutung: Innovation hat oft eine verbrecherische Komponente, die sich rückwirkend ins Positive kehrt.

Wenn wir Arbeitsplatzverluste oder gar die Machtübernahme der Roboter verhindern wollen, sollten wir uns deshalb der Aneignung der neuen Werkzeuge widmen und beim Verändern der beruflichen Alltagpraxis gegebenenfalls auch bereit sein, rote Linien zu überschreiten. Wobei es wenig bringt, an die Zukunft in hundert Jahren zu denken. Was zählt ist, wie wir in den einzelnen Fachberufen die nächsten fünfzehn Jahren gut bewältigen können indem wir die Fachberufe weiterentwickeln. Digital Skills sind dabei wertvolle Instrumente. Ebenso wichtig sind aber die uralten Träume, was man in den einzelnen Berufen alles tun könnte, wenn es nicht bisher zu aufwändig und teuer wäre. Denn bringt man neue digitale Werkzeuge und alte disziplinäre Träume zusammen – so wie das einst die Bader taten – so kann dies radikalen Fortschritt ermöglichen, der die Welt so grundlegend verändert, dass heutige Probleme sich auflösen oder zur Makulatur werden.

Die Working Conference «Transform – Digital Skills for Transforming Disciplines, Business, andGovernment” am 12./13. September in Bern widmet sich den zwei zentralen Fragen, wie Fachdisziplinen digital weiterentwickelt werden können und was der State-of-the-Art bei den wichtigsten Digital Skills ist. Dabei kommen unterschiedliche Berufe und Aufgabenfelder zu Wort – von der Lehrlingsausbildung, über Landwirtschaft, Sportcoaching, Rechtsberatung und Unternehmensführung bis zur transdisziplinären Forschung. Die thematisierten Digital Skills reichen vom Nutzen digitaler Basiswerkzeuge über das Kuratieren und Bewirtschaften von Daten, den Einsatz von Maschinenintelligenz, die Nutzung des Crowdsourcing, dem Entwerfen digitaler Geschäftsmodelle und dem Aufbau digitaler Vertrauens- und Innovationsökosysteme bis zum Design eigener Werkzeuge und algorithmischer Lösungen – das heisst vom Computational Thinking im Sinne des ECDL/ICDL Computerführerscheins bis zu Advanced Computational Thinking der digitalen Lösungsdesigner und der Softwareentwickler. Führende Wissenschaftler berichten an der Working Conference, was Digitalisierung heute schon alles kann und Praktiker und Unternehmer erzählen, wie dies die Fachberufe und die Wirtschaft gerade verändert.

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