Die Zukunft des E-Government

06.08.2018

Methoden gibt es viele, um die Zukunft vorherzusagen – wir betrachten im Folgenden die Big Data- und Small Data-Methoden und werfen einen Blick auf das Aussergewöhnliche, hier Rare Data genannt.

Big Data, Small Data, Rare Data

Mit Big Data kann man die in Daten implizit verborgenen Informationen explizit machen. Der Begriff Small Data steht dagegen für die selektive Auswahl von besonders aussagekräftigen Informationen durch menschliche Fachspezialisten. Oft liefern die beiden Methoden unterschiedliche Resultate. Sagt man die Zukunft des Schweizer E-Government mit Big Data voraus – also auf der Basis aller vergangenen und heute geplanten E-Government-Projekte und Investitionen – dann steht uns ein langsamer, zäher Fortschritt bevor. Die Small Data-Perspektive weist dagegen auf einen stark beschleunigten Fortschritt hin, weil E-Government vom Engagement des Bunderats für eine Förderung der Digitalisierung profitiert. Beispielsweise werden die neuen Initiativen zum Teilen von Erfahrungen (E-Government Round-Table, Digitalisierungsplattform) die Vorbildwirkung erfolgreicher Projekte verstärken. Die Big Data-Perspektive läuft auf eine Verfestigung des Rückstands hinaus: Irgendwann in naher Zukunft würde demnach die traditionelle Exzellenz der Schweizer Verwaltung im analogen Verwaltungshandeln den Rückstand im Bereich der Digitalisierung nicht mehr kompensieren. Danach würde die Schweiz an Standortattraktivität verlieren. Die Small Data Perspektive macht hingegen Hoffnung auf die tatsächliche Umsetzung der Tallinn Deklaration, denn damit behielte die Schweiz ihre hervorragende Positionierung im Standortwettbewerb. Vermutlich wird aber die Zukunft durch Umbrüche geprägt, die sich durch Randphänomene, durch «Rare Data», ankündigen. Um sie zu erkennen, muss man über ein innovationsorientiertes Systemverständnis verfügen. Es hat in der IT Tradition, dass die gleichen Innovationsideen unter Insidern gleichzeitig an mehreren Orten mit durchschlagendem Erfolg verfolgt werden, weil Rare Data gleich gelesen werden. Allerdings hat es auch Tradition, dass die breite Masse hohlen Hypes folgt.

Die Zukunftstechnologien

Es macht also Sinn, genauer auf Small und Rare Data zu schauen: Aus der Small Data-Perspektive stellt sich anschliessend die Frage, welche Technologien die Zukunft prägen werden. Nach aktuellem Wissensstand sind dies Mess-, Kognitions- und Organisationstechnologien, unter anderem durch Measurement of Everything, Mensch-Maschinen-Zusammenarbeit, traditionelle und neuartige Plattformen sowie Crowds. Crowds bedeuten im Staatskontext horizontale Subsidiarität und Co-Creation. Eine besonders grosse Rolle wird in der öffentlichen Verwaltung das organisationsübergreifende Datenmanagement spielen. Dafür lautet die Zukunftsvision: Wer das Recht auf einen Datenzugriff hat, inklusive Maschinen, kann dies innert weniger Sekunden tun – auch für geteilte Daten aus Wirtschaft und Gesellschaft! In Zukunft werden ausserdem Teamarbeit und Kreativität an Bedeutung gewinnen. Dabei wird die Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen viele etablierte Überzeugungen auf den Kopf stellen und eine Professionalisierung des Teamcoaching anstossen. Für den Staat ist Teamarbeit eher neu und für die Politik Kreativität in der Verwaltung oft unerwünscht. Beides ist aber notwendig und wird durch verwaltungsspezifische Werkzeuge unterstützt werden.

Die Rolle(n) von Plattformen

Doch wie lautet die Rare Data-Perspektive? Folgt man dem Gedanken Tim O’Reillys, so stösst man auf die Metapher des Staates als «Plattform für Apps». Im schweizerischen Kontext interpretiert bedeutet sie: Der Staat muss Ressourcen digital so vernetzen, dass darauf Services flexibel aufgesetzt werden können und trotzdem die demokratische Steuerung gewährleistet bleibt. Der Begriff Plattform steht dabei für Vielfalt, nicht Einfalt; er vereint verschiedene Schlüsselrollen. Beispielsweise ist damit das Fundament des Informationsraums der Städte gemeint. Dieser steht in einer Dreiecksbeziehung mit gebautem und sozialem Raum und soll urbane Qualitäten fördern – u. a. die Nutzungsdiversität, die Interaktionsqualität, die Zugänglichkeit und die Möglichkeiten, Orte in der Stadt zu adaptieren, sich anzueignen und am sozialen und kulturellen Leben teilzuhaben. Mit Plattform ist aber auch ein sicherer Transaktionsraum im Internet gemeint. Dieser Transaktionsraum soll Vertrauen und eine operative Basis für den entstehenden digitalen Binnenmarkt schaffen. Das Designprinzip dabei ist Interoperabilität und das Designziel für dessen staatlichen Anteil lautet «Open Data + Open Services + Open Processes». Zwar scheint die Plattform-Metapher sehr abstrakt zu sein, aber wir kennen viele notwendige Eigenschaften und Ausprägungen bereits in Form von Architektur-Patterns. Die meisten dieser Architektur-Patterns stammen aus dem E-Government-Diskurs, sind aber bislang nur rudimentär in der Schweiz implementiert worden. Zwei einfache Beispiele sind die interaktive, massgeschneiderte Informationsbereitstellung sowie personalisierte Portale; ein komplexeres ist die Schaffung von nationalen Kernregistern für Personen, Unternehmen und Objekte. Die Verordnung zum Gebäude- und Wohnregister (VGWR) wird die Schweiz hierbei bis 2020 einen grossen Schritt vorwärts bringen.

Projekte weisen den Weg

Derzeit gibt es zahlreiche konkrete Projekte, um Teile der benötigten «Staats- Plattform» zu designen und zu pilotieren. Das vielleicht ambitionierteste Vorhaben ist die Initiative «Next Generation Internet». Mehr gegenwartsbezogen sind die Large Scale Pilots in Horizon2020. Und ganz praktisch orientiert ist das CEF-Programm der EU. Eine Staats-Plattform benötigt ausserdem technische Kerndienste und Verwaltungsdienstleistungen, die zusammen eine Laufzeitumgebung für öffentliches Handeln darstellen. Das ist mit mehr Vielfalt verbunden, wie zum Beispiel bei Sedex: Schon ausgearbeitet ist die Einführung von Thin Clients in der Sedex-Plattform. In Zukunft werden die Server die Kommunikation auf Sedex steuern. Klar ist aber auch, dass es zusätzliche, flexiblere, offene Datenbusse braucht und dass es spezielle Governance-Regime geben muss, wenn Daten aus unterschiedlichen privatwirtschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Bereichen geteilt werden. Zudem gibt es ökonomischen Bedarf, solche Busse ad hoc «selber» zu implementieren. Es bestehen aber auch entgegengesetzte Interessen, proprietäre Plattformen als Monopole zu etablieren. Die Politik wird jeweils eine entscheidende Rolle spielen, welcher Lösungsansatz sich durchsetzt. Das obige Beispiel zeigt: Die Zukunft des E-Government ist und bleibt eine politische Entscheidung. Dank der Subsidiarität kann jede Gemeinde und jeder Kanton auch ganz allein auf den technologischen Fortschritt setzen. Und das ist gut so!

Reinhard Riedl

Quelle: swiss made software, die ersten 10 jahre – das kompendium

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