Digitalisierung: Hohe Kosten und ethische Fragen für Verwaltungsräte grosse Herausforderung

27.08.2019

Digitalisierung und Automatisierung sind im laufenden Jahr die wichtigsten Themen in den Steuerungsgremien der Schweizer Unternehmungen. Dies zeigt der SwissVR Monitor, der von der Vereinigung SwissVR zusammen mit dem Beratungsunternehmen Deloitte und der Hochschule Luzern erstellt wird. In der aktuellen Umfrage bei rund 400 Verwaltungsräten wird klar: Wenn es um das Thema Digitalisierung geht, wählen die Unternehmen einen pragmatischen Ansatz (91 Prozent) und sind mehrheitlich (60 Prozent) davon überzeugt, bereits weiter fortgeschritten zu sein als die Konkurrenz.

Letztere Aussage gilt in viel stärkerem Ausmass für Grossunternehmen (70 Prozent) als für KMUs (54 Prozent). Die Befragten sind aber auch etwas verunsichert: Weniger als ein Fünftel sind voll überzeugt davon, dass der Verwaltungsrat (19 Prozent) beziehungsweise die Geschäftsleitung (18 Prozent) ihres Unternehmens genügend Knowhow und Kompetenzen mitbringen, um die digitale Transformation erfolgreich voranzutreiben.

Die grosse Mehrheit der Befragten ist vollständig (36 Prozent) oder eher (46 Prozent) der Ansicht, dass die Digitalisierung neue Geschäftsmöglichkeiten sowie Chancen für Mehrumsatz eröffnet. Grossunternehmen (90 Prozent) sehen dies positiver als KMU (78 Prozent). Die Digitalisierung bringt aber auch Risiken mit sich, so erfordert sie hohe Investitionen und verursacht Mehrkosten, die auf Margen und Geschäftsergebnisse drücken: Für 15 Prozent trifft diese Aussage voll und für 42 Prozent eher zu. 69 Prozent meinen zudem, dass der digitale Datenaustausch im Verwaltungsrat tendenziell das Sicherheitsrisiko durch Cyberangriffe erhöht. Und mit potenziellen Digitalisierungsrisiken ethischer Natur wie Arbeitsplatzabbau, Diskriminierung, Manipulation oder Datenschutz befasst sich nur eine Minderheit von 46 Prozent der Befragten.

“Damit die Kosten bei der digitalen Transformation nicht aus dem Ruder laufen oder Projekte jahrelang den Gewinn schmälern, ist eine klare Führung und Verantwortungsübernahme durch die Geschäftsleitung genauso notwendig wie ein umfassendes Change Management und ein seriöses Projektreporting. Weiter darf der Verwaltungsrat mögliche ethische Herausforderungen keinesfalls ausblenden – er ist genau das richtige Gremium, um solche Fragen zu stellen und Klärung zu schaffen,” kommentiert dazu Reto Savoia, CEO Deloitte Schweiz.

Die Digitalisierung umfasst unterschiedlichste Technologien. Die Befragten schätzen Big Data und Automatisierung als die wichtigsten davon ein. Auch die Bereitstellung von Speicherplatz, Rechenleistung oder Anwendungen über das Internet (Cloud-Computing) und die Vernetzung von physischen und virtuellen Gegenständen mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien (Internet der Dinge, IoT) haben eine breite Bedeutung. Künstliche Intelligenz und Mobile Computing wurden noch von über einem Drittel der Befragten als bedeutendes Thema angegeben.

Blockchain wichtig für Finanzdienstleister Die Technologien werden je nach Branche sehr unterschiedlich eingestuft: Die Blockchain-Technologie hat im Finanzdienstleistungssektor nach wie vor eine hohe Bedeutung (60 Prozent), im verarbeitenden Gewerbe sind IoT (61 Prozent) und Roboter (35 Prozent) überdurchschnittlich wichtig.

Digitalisierung ist Chefsache

Das Digitalisierungsthema wird gemäss dem SwissVR Monitor eindeutig von der Unternehmensspitze her gesteuert: Die hauptsächlichen Treiber sind demnach der Verwaltungsrat als Gremium (48 Prozent), der CEO (46 Prozent) und die Geschäftsleitung (43 Prozent). In vier von fünf Unternehmen (79 Prozent) ist daher die Digitalisierung auch ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie und weniger als zwei von fünf Unternehmen (17 Prozent) besitzen eine separate Digitalisierungsstrategie. Nicht alle Unternehmen reagieren allerdings rasch genug oder nehmen sich genügend Zeit für das Thema: Jeweils ein Drittel gibt an, dass ihr Unternehmen zu langsam auf die Herausforderungen der Digitalisierung reagiere (31 Prozent) beziehungsweise sich zu wenig Zeit nehme, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen (33 Prozent).

Quelle: ictk.ch

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